Es ist zwar schon einige Zeit her, aber diese Gemeindeversammlung werde ich nicht vergessen. Nacheinander stehen zwei Mitglieder auf und berichten, warum sie diese Gemeinde verlassen wollen. Dem einen war die Gemeinde zu charismatisch, dem anderen fehlten charismatische Elemente.
Wir leben in einer individualistisch geprägten Welt. Das hat manche Vorteile. Man ist mit den Menschen zusammen, die gleichartige Interessen haben oder sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden. Darin lässt es sich oft ziemlich komfortabel leben. Wir haben es uns ganz gut eingerichtet im Hier und Jetzt. Wenn uns etwas nicht passt, wird es passend gemacht oder – falls das nicht klappt – suchen wir uns eine neue Umgebung. Im Prinzip wohl ein ganz natürliches Verhalten, über das wir uns meistens wenig Gedanken machen.
Was es alles gibt
Ähnliches gilt auch für unsere Gemeinden. Da gibt es erst einmal die verschiedensten Gemeinden für unseren individuellen Glaubensstil. Innerhalb der Gemeinden wiederum Angebote für die unterschiedlichen Altersgruppen. Und natürlich darin nochmals ganz individuelle Angebote für die persönlichen Neigungen. Genauso gibt es viele fremdsprachige Gemeinden, in denen sich Christen treffen, die entweder die gleiche Nationalität haben oder aber zumindest die gleiche Muttersprache sprechen. Wie viele hunderte verschieden-
sprachige Gemeinden es in Deutschland gibt, ist kaum mehr überschaubar. Ebenso wie bei den Individualgruppen gibt es nur wenige Berührungspunkte über den eigenen Bereich hinaus.
Jeder für sich hat es sich, wie man so schön sagen kann, in seiner Komfortzone „gemütlich“ eingerichtet. Daran ist im Prinzip nichts auszusetzen, wenn man sein Leben nicht darauf begrenzt.
An die Hecken und Zäune gehen
Wie sieht es mit den Christen aus, die einen Blick über den Tellerrand wagen. Müssen Christen, die aus ihrer Komfortzone herauskommen, Missionare oder Evangelisten sein? Natürlich gibt es diejenigen, die sich da schwerpunktmäßig engagieren und für die dies Berufung und Beruf ist. Aber sollte sich nicht jeder Christ immer mal wieder auf den Weg machen, um das Evangelium „unter die Leute“ zu bringen? Ist es nicht wichtiger, an die „Hecken und Zäune“ zu gehen, um „Menschen zu fischen“, anstatt einer Gemeinde den Rücken zu kehren, nur weil die persönlichen Vorlieben zu wenig berücksichtigt werden?
Mission bedeutet Verzicht
In der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem konnte man sich noch nicht seine Individualzonen aussuchen. Einfach war es bestimmt nicht zwischen Griechen und Juden. Das ist in der Apostelgeschichte nachzulesen. Wo machen wir uns auf, anderen Menschen
zu begegnen, die vielleicht nicht immer auf einer Wellenlänge mit uns liegen? In diesem ideaSpezial können Sie über das Bemühen nachlesen, Menschen mit der besten Botschaft der Welt zu erreichen: dem Evangelium. Ein Bemühen, für das viele – eben die Missionare – ihrer Heimat den Rücken kehren und in fremden Kulturen so manche Unannehmlichkeiten auf sich nehmen und auf vieles verzichten. Mission beginnt dort, wo wir als Christen auf andere zugehen, um sie zu Nachfolgern Jesu zu machen. Das kann in China, in Peru oder aber in der Nachbarschaft sein.
Herzliche Grüße
Ihr
Wolfgang Büsing